11.04.2013

Meine Wohnzimmerdecke

"Du hast halt die Höhle bei dir!"

Diesen Satz steckte mir der Homeboy vor zwei Wochen, als es um mein Wohnzimmer ging. Was er nicht wusste, er sprach damit ein Thema an um das ich mir schon mehr als zwei Jahre einen Kopf mache. Meine Wandfarbe.

Seit einer kleinen Ewigkeit möchte ich nun mein Wohnzimmer streichen. Ich habe es damals aus der Not heraus mit einer sehr speziellen Wischtechnik gestrichen, die ich später Zeit-, Farb- Geldmangeltechnik nannte.

Doch nicht nur aus dem Grund wollte ich neu streichen. Er war mir einfach zu dunkel. Da mein Wohnzimmer einen eingelassenen Balkon zum Südhang hat, kommt generell wenig Licht hinein. Eine dunklere Wand kommt da nicht so gut, was ich nach dem Streichen feststellen musste. Wie mir dann der Homeboy vor Augen hielt, ist der Rest im Zimmer leider auch in einem ähnlichen Braunton. Rotbrauner Laminat, hellbraune Möbel, Couch, Tür und Regale. BRAUN...! Und dazu ein dunkelroter Teppich. Was habe ich mir dabei gedacht? Dem Anschein nach nicht viel. OK, für neue Möbel fehlte damals die Kohle, der Rest waren unkluge Entscheidungen. Was nicht heißen soll das es mir nicht gefällt. Es geht halt nur auch schöner.

Wie auch immer, vor einigen Tagen erinnerte ich den Homeboy an sein Hilfsangebot. Dieser sagte mir an dem einen Abend, das wäre ja alles locker in zwei Stunden erledigt. Also ab in den Baumarkt, Farbe gekauft, genug Plane zum abdecken und was man noch so braucht. Die Regale abgedeckt, die Ränder verklebt und los ging es.

"Das deckt ja überhaupt nicht", schallte es durch den Raum und sofort war mir klar, dass die Farbe niemals reichen würde. Das eigentliche Problem kam aber nur wenige Augenblicke später. Ich hatte es vermutet, wollte es irgendwie verhindern und hatte nun den Salat. Die neue Farbe lies die alte Farbe weich werden. Durch die entstehende Zugkraft hinter dem Farbaufstrich einer Rolle löste sich nun diese feuchte alte Farbe. Zu sehen war die erste Farbschicht vom Vormieter. Ironischerweise auch weiß.

Ab hier wurde mir bewusst, dass die sowieso schon unglaubwürdigen zwei Stunden niemals eingehalten werden würden. Sogar eine Fertigstellung am selben Abend schied nun völlig aus. Mit einer "irgendwie muss das jetzt klappen" Einstellung strichen wir weiter. Jedes Loch, an dem sich die Farbe wie alte Dachpappe abziehen lies, ließen wir trocknen.

Gegen halb neun war dann die Farbe alle. Da wir öfter über die einzelnen Stellen mussten war das abzusehen. An einen zweiten Durchgang war nicht mehr zu denken. Doch dann fiel dem Homeboy sein alter Topf Weiß ein, den ich kurzerhand holte. Es konnte also weitergehen!

Und ab da wurde es schlagartig besser. Die zweite Schicht deckte wunderbar, auch wenn der Weißton sicherlich ein völlig anderer ist. Bis zuletzt warteten wir, bis die Löcher halbwegs trocken waren, um diese dann mit einem Pinsel und enorm viel Farbe zu verspachteln. "Scheiß auf Flecken, solange die Farbe nicht an einem Stück auf uns runterfällt ist mir alles egal!", sagte ich irgendwann mal.

Mit reichlich Motivation strichen wir weiter und konnten dem Trocknen der Farbe mit bloßem Auge zuschauen. Wir wussten also, dass es doch noch was wird. Ab da konnten wir sogar pingelig werden und auf Kleinigkeiten achten.

Das Ende vom Lied ist eine wunderbare weiße Decke. Zwei drei kleine Stellen haben wir noch übersehen, aber die lassen sich locker ausbessern. Es brauchte jetzt keine zwei Stunden, aber gegen 22:20 Uhr war ich dran die Pinsel zu säubern und um 23:30 Uhr waren sogar die Regale wieder vollgestellt. Und das alles mit nur zwei kleinen Farbklecksen an der Wand. Natürlich da wo kein Bild hängt...

An dieser Stelle nochmal ein riesen dickes Dankeschön an den Homeboy für seine Hilfe beim Streichen sowie die zusätzliche Motivation. Hätte ich das alleine gemacht wäre ich sicherlich wieder ausgerastet!


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